Postkarten aus Frohnau

Wir präsentieren Ihnen Frohnau-Postkarten, von denen die meisten aus der Sammlung von Herrn Winkler stammen. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Betrachten. Mit einem Klick auf die entsprechende Karte können Sie diese vergrößern.

Beim Zusammenstellen der Postkarten fragten wir uns, seit wann man in dieser Form schon korrespondiert. Birgit Jochens, Leiterin des Heimatmuseums Charlottenburg-Wilmersdorf, beantwortet die Frage ausführlich.

Die Postkarte wird eingeführt

überlegungen, etwas ähnliches wie eine Postkarte einzuführen, gehen auf das Jahr 1865 zurück. Der Geheime Postrat von Preußen, Heinrich von Stephan, hatte die Idee einer sogenannten "Korrespondenzkarte".

Der Legende nach (man ist sich aber nicht sicher, ob sie wirklich stimmt) hatte Heinrich von Stephan damals eine sehr heftige Auseinandersetzung mit seinem Weinhändler, der nicht rechtzeitig liefern konnte. Er wollte ihm eigentlich nur mitteilen "Schert Euch zum Teufel!" und fand es völlig unangemessen, dieses in einem Brief - zugeklebt und frankiert, womöglich noch versiegelt - zu tun. Und so kam er kam auf die Idee, man müsse genau für solche Art von kurzen Nachrichten eine entsprechende postalische Möglichkeit haben.

Seine Idee, die Korrespondenzkarte (wie die Postkarte zu Beginn noch hieß), einzuführen, wurde aus verschiedenen Gründen im Deutschen Reich zunächst nicht einheitlich realisiert.

Heute würde man dafür Datenschutzgründe angeben. Man bemängelte, dass die Mitteilungen auf den Karten der öffentlichkeit zugänglich seien, mit Adressen und Namen usw. Womöglich noch wichtiger waren die moralischen Bedenken: Nun hätten ja die Dienstboten die äußerungen ihrer Herrschaften lesen können, und das fand man äußerst bedenklich und verwerflich.

Frau von Bülow hat dann in Gesprächen mit Reichskanzler Bismarck dazu beigetragen, dass diese Bedenken zerstreut wurden. Hinzu kam, dass man sich zu dieser Zeit auch in österreich mit der Entwicklung einer Korrespondenzkarte beschäftigte. 1869 wurde sie dort eingeführt, 1870 zog der Norddeutsche Bund nach, gefolgt von Bayern, Württemberg und Baden.

Die Korrespondenzkarte, die bald Postkarte hieß, schlug ein wie eine Bombe! Bereits zwei Monaten nach ihrer Einführung waren zwei Millionen Karten in Deutschland verkauft, und der Strom riss zunächst nicht ab. Dafür sorgte auch ein weltpolitisches Ereignis, der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71. Die Soldaten konnten verbilligt Postkarten versenden, und so wurde zusätzlich eine ungeheure Zahl von Postkarten verschickt.

Diese ersten Korrespondenzkarten waren ganz schmucklos, auf der Rückseite war Raum für die Adresse vorgesehen, auf der Vorderseite stand die Mitteilung.

Die Bildpostkarte

Sehr schnell wurde aber dann die Bildpostkarte eingeführt - von wem, kann man nur vermuten; wahrscheinlich hat August Schwarz, Hofbuchhändler in Oldenburg, 1870 die erste Bildpostkarte aufgelegt. Er hat in seiner Druckerei Karten bedruckt, typisch übrigens mit einem Artillerie-Motiv, ganz unter dem Eindruck des Deutsch-Französischen Krieges.

Wer die erste Ansichtspostkarte herausgegeben hat, ist auch umstritten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit war sie einerseits 1872 von einem Herrn Locher in Zürich entwickelt worden, andererseits setzte ein Herr Lange, Student in Göttingen, die gleiche Idee um.

überhaupt war das Versenden von Ansichtskarten zunächst der große Boom in einer Zeit, in der die Menschen zu reisen begannen, weil das Reisen durch den Ausbau des Eisenbahnnetzes erheblich erleichtert wurde, und das Kennenlernen anderer Städte und Länder eine andere Bedeutung bekam. Außerdem veröffentlichten die Zeitungen damals nur wenige Abbildungen. Also wurde es wichtig, z. B. seinen Lieben zu Hause zeigen zu können, wie es anderswo aussah.

Der Höhepunkt der Postkarten-Manie war in Deutschland um 1900 erreicht. Um einige Zahlen zu nennen: Täglich wurden 1,5 Millionen Postkarten verschickt. Eine durchschnittlich große Frankfurter Fabrik hatte 1.200 Angestellte, die pro Tag bis zu 100 Postkarten-Motive druckten. Es waren also ungeheure Mengen, die damals verschickt wurden. Auch die Drucktechnik war besonders vielfältig. Man setzte alle erdenklichen Motive mit großer Begeisterung sofort um.

England und Amerika zogen mit der Produktion nach, aber die Postkarten-Industrie ging, wie viele andere drucktechnische Errungenschaften, vom deutsch-österreichischen Raum aus.

Von 1919 an setzte bis 1939 eine gewisse Flaute für die Postkarten-Industrie ein. Das lag entscheidend daran, dass ein anderes Medium - das Telefon - für die übermittlung kurzer Nachrichten viel wichtiger wurde, und dass Zeitungen auch zunehmend Fotos druckten. Hinzu kam, dass die Druckqualität der Postkarten in den dreißiger Jahren nachließ.

Die Fünfziger Jahre

In den fünfziger Jahren entdeckten die Deutschen das Reisen wieder, und das gab der Postkarten-Industrie erneut einen Auftrieb.

Bis heute wurden mindesten 100 Millionen verschiedene Postkarten-Motive gedruckt. 1995 setzte der Handel immer noch 1,1 Milliarden DM an Karten um, 1994 wurden rund 500 Millionen Karten von der Deutschen Post befördert.

Der entscheidende Punkt, weswegen die Postkarte ein beliebtes Sammelobjekt ist, warum es große Sammlerverbände gibt, Kataloge und Auktionen, ist die äußerst ergiebige Motiv-Vielfalt und die sehr unterschiedlichen Drucktechniken.

Vornehmlich wurden Ortsansichten hergestellt, dann alle Bereiche des Alltagslebens, so dass Postkarten auch ein wichtiges kulturgeschichtliches Gut darstellen.

Von der Jahrhundertwende bis in die zwanziger Jahre hinein wurden viele Fotografien für die Postkarten-Industrie hergestellt, und deshalb sind diese Darstellung von Trachten, des Handwerks, der örtlichen Industrie, öffentlichen Einrichtungen (Feuerwehr und Polizei), Cafés und Geschäften besonders interessant.

Aber es wurden auch Katastrophen dargestellt, wie ein Ausbruch des Vesuvs, Schiffsunglücke oder Feuersbrünste. Sie wurden millionenfach aufgelegt und sind heute heiß begehrt.

Man war fasziniert von allem "Exotischen". Beliebte Darstellungen waren Motive des Herrscherhauses, man interessierte sich aber auch für Reklamekarten von Theater und Zirkus (z. B. für Buffalo Bill, der mit seiner "Wildwestschau" durch Deutschland tourte).

Raritäten, die heute bis zu 4.000 DM pro Karte kosten, sind Künstlerkarten, die ca. 1908 entstanden. Ganz berühmt ist die Bergpostkartenserie von Emil Nolde, die er an seine Freunde geschickt hat. Als er merkte, dass solche Karten gut ankamen, ließ er sie in großen Stückzahlen auflegen.

Alphonse Mucha hat Jugendstilkarten entworfen, die sehr berühmt wurden, und im Berliner Umland war es Fidus, der bekannte Jugendstilkünstler, der viele Karten entwarf. In unserer Ausstellung werden wir auch ein umfangreiches Album mit Fidus-Kunstpostkarten zeigen.

Zu den Liebhaberstücken gehören auch Karten aus der Wiener Werkstätte, in der Egon Schiele gearbeitet hat, oder Karten von Otto Kokoschka.

Große Aufmerksamkeit erregten erotische Postkarten. Sie wurden in Frankreich schon vor 1900 produziert. Da Nacktheit öffentlich nicht dargestellt werden durfte, mussten die Hersteller zu einem Trick greifen. So wurden Damen und Herren antikisch gewandet, aber mit sehr eindeutig durchscheinenden Stoffen. Merkwürdig sind die Darstellungen von Frauen, die enge fleischfarbene Trikots anhatten, die an Wurstpellen erinnerten.

Diese Karten hatten hohe Auflagen, aber wahrscheinlich wurden sie weniger verschickt als unter der Hand weitergegeben.

Bei der Pariser Weltausstellung war man dann über diese erotischen Karten sehr irritiert, und um das Jahr 1900 wurden bei einer Razzia 80.000 Stück beschlagnahmt.

Es gibt einen riesigen Sektor an Scherz- und Phantasiekarten, von denen wir in der Ausstellung viele zeigen werden. Karten, bei denen man erst durch häufiges Hinsehen entdeckt, dass sich z. B. eine Landschaft aus Menschenleibern zusammensetzt.

Aber wir wollen in der Ausstellung auch zeigen, wie opulent die Drucktechniken damals waren, und wieviel Mühe man sich bei der Herstellung der Postkarten machte. Es wurden viele verschiedene Materialien bedruckt, wie Aluminiumfolie, Leder oder Holz. Karten wurden mit Stroharbeiten und anderen Applikationen versehen, mit Filz oder getrockneten Blumen. Es gab Vögel mit Federn, Puppen mit Augen, tönende Postkarten, Postkarten mit Glasstaub (sehr giftig, aber sehr begehrt).

Schon vor der Jahrhundertwende wurden raffinierte mechanische Karten angeboten, an denen man drehen oder etwas herausziehen kann. Dann gibt es Klapp- oder Jalousiekarten: Wenn man unten an einem Stab zieht, entsteht eine völlig andere Abbildung. Es gab schon früh durchscheinende und fluoreszierende Karten. Ebenfalls ganz früh wurden Duftkarten hergestellt, an denen durch Reibung der Duft freigesetzt wurde, und manche Karten riechen sogar heute noch.

Es gibt Postkarten, die Zukunftsvisionen vermitteln, z. B. Berlin-Karten mit äußerst eigenartigen Flugkörpern am Himmel.